ALANA  MARIA  MOLNÁR

Übersetzerin & Autorin

„Leben, um davon zu erzählen“

(Gabriel García Marquez)

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Über Schreiben und Schreiber


Seitdem ich denken kann, erzähle ich Geschichten. Anfänglich, nachdem ich die ersten Bücher gelesen hatte, waren sie die Wiedergabe des Gelesenem. Später dann Gehörtes, Gesehenes, Selbsterlebtes - und zum Schluß Erfundenes, selbst Ausgedachtes. Mit jeder Neuerzählung werden die Geschichten dem Erzähler vertrauter, bis er felsenfest glaubt, sie selbst und genauso erlebt zu haben. Von Max Frisch las ich einen treffenden Satz, der zum Thema paßt, den ich gleich meinem ersten, autobiographischen Roman als Motto vorangestellt habe:

„Jedermann erfindet sich früher oder später eine Geschichte, die er für sein Leben hält.“


Was das selbst Ausgedachte und Erfundene angeht, möchte ich wiederholen, was viele andere bereits gesagt haben: Am besten kann ein Autor davon erzählen, was er kennt. Sei es ein Ort, eine Situation oder eine Empfindung. So fließt, meiner Meinung nach, fast immer Selbsterlebtes in die Geschichten hinein, oft ohne daß der Schreiber es merkt.


Erst beim Nachlesen kommt einem der Verdacht, die Situation, die da beschrieben wird, so oder ganz ähnlich aus eigener Erfahrung zu kennen. Nicht ganz unbegründet war - und ist - die Befürchtung, Schriftsteller würden alles, was sie erleben, als Zutat in Ihren Geschichten verwenden, - manchmal sogar Gehörtes wörtlich wiedergeben und Beobachtetes bis ins kleinste Detail als eine Episode in einen Roman oder eine Erzählung einbauen.



Also: Vor Schriftstellern sei gewarnt! Sollte Ihre Neugier jedoch größer sein als die Furcht davor, einer Begebenheit, die Sie einem Schreiber einmal anvertraut hatten, als Teil eines Romans oder als Kurzgeschichte wieder zu begegnen; dann, ja, dann stürzen Sie sich ins Lesevergnügen! Verklagen können Sie den Autor später immer noch, wenn Ihnen die Wiedergabe nicht paßt. Oder sich im Freundeskreis damit schmücken, daß Ihre Geschichte als Vorlage zu einem erfolgreichen Roman gedient hätte. Sie haben die Wahl.


Beim Verfassen meiner Geschichten hatte ich über diese Dinge niemals nachgedacht - ich schrieb sie einfach. Was davon Wahrheit und was Dichtung ist, kann ich selbst kaum unterscheiden, wissen schon gar nicht. Was ich allerdings sehr genau weiß ist, daß das Leben die besten Geschichten schreibt. Also:  „LEBEN, UM  DAVON  ZU  ERZÄHLEN“.

Ja, genau das will ich.


A. M. Molnár: Feuerblumen 1999, Acryl auf Holz